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Dienste wie Stream On müssen sterben

Damit mobiles Internet zu richtigem Internet wird

vor 7 Monaten - 2 Minuten Lesezeit Hörzeit

Das Verwaltungsgericht in Köln hat bestätigt, was schon lange klar war: das Stream-on-Angebot der Deutschen Telekom verstößt gegen die europäischen Regeln zur Netzneutralität. Was viele Kunden ärgert könnte ein wichtiger Schritt zu besserem mobilen Internet sein.

Was Stream On (und ähnliche Dienste) macht

Das Angebot der Telekom ist für die Kunden erstmal ziemlich gut. Statt riesige Datenvolumen buchen zu müssen, um YouTube-Videos anzuschauen und Musik bei Spotify zu hören, wird die Nutzung dieser Dienste nicht vom Volumen abgezogen. Der Krux: nicht alle Dienste können so genutzt werden. Stattdessen beschränkt sich das Angebot auf solche Unternehmen, die mit der Telekom kooperieren. Daneben gibt es beim Streamen auch andere Einschränkungen, die beispielsweise die Qualität beim Videostreaming betreffen. Und die Funktionsweise dieses Angebots stellt an sich ein Problem dar, sobald die Netzneutralität ins Spiel kommt.

Die europäische Netzneutralität

Diese verlangt im Grundsatz von Anbietern, dass alle Daten aller Dienste gleichbehandelt werden müssen. Dies ist bei Angeboten wie Stream On nicht gegeben. Nicht nur werden bestimmte Dienste nicht auf das Volumen gerechnet, es gibt auch Einschränkungen bei der Qualität des Videostreamings.

Was passiert nach Stream On

Sollte es die Telekom nicht schaffen, gegen die Entscheidung des Gerichts anzukommen, passiert erstmal nicht viel. Das Stream On Angebot fällt weg und die Kunden müssen sich damit abfinden, dass die Nutzung ihrer Dienste wieder vom knappen Volumen abgezogen wird. Die langzeitigen Auswirkungen könnten jedoch andere sein. Deutsche Anbieter könnten auf lange Sicht besser mit jenen im europäischen Umland mithalten, was Volumen und Preisgestaltung angeht, wenn billige Tricks zur Umgehung nicht mehr möglich sind. Dabei könnte auch der derzeitige Vorstoß der Politik helfen, die 5G als eine mögliche Lösung für die Unterversorgung ländlicher Gebiete sieht. Als Ersatz für DSL oder Kabel würden sich mobile Verbindungen nur dann eignen, wenn unbegrenztes Datenvolumen zur Verfügung steht.

Die Realität deutscher Anbieter

Wahrscheinlicher und deprimierender ist allerdings, dass sich die verzerrte Realität deutscher Anbieter auch in den nächsten Jahren durchsetzt. Dort werden Geschichten von überlasteten Netzen und der Fairen Nutzung solange erzählt, bis sie jemand glaubt. Gleichzeitig steckt man das Geld der Kunden für teure Tarife und vermeintlich gute Extras natürlich immer gern ein, statt sie in einen Ausbau der Netze zu investieren. Die nächsten Jahre (und vermutlich Jahrzehnte) werden zeigen, wie sich die deutschen Anbieter entscheiden. Der Druck durch den Kunden ist dabei sicherlich kein unwesentlicher Faktor.

Marvin Sommershof Marvin Sommershof Marvin ist Redakteur bei Digital gefesselt. Daneben studiert er Technikjournalismus. Er interessiert sich für Gadgets, Tools und Games. Er twittert als @Marv1992
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