Meinung·Special

EU-Klage: Google Mobile Services im Fokus

Kundenfreundlichkeit oder Kontrolle?

vor 1 Jahr - 3 Minuten Lesezeit Hörzeit

Googles Mobile Services sind für viele Nutzer essenziell. Vom Play Store über Google Music bis hin zu Gmail und Kalender. Genau daran oder vielmehr an Googles Praktiken stört sich die Europäische Union. Sie werfen dem Unternehmen vor, seine Marktmacht gegen OEM-Partner auszunutzen. Wir schauen uns an, was an den Vorwürfen wirklich dran ist. 

Mobile Services: Was ist das?

Wie bereits erwähnt sind die Mobile Services quasi das Basispaket für die Teilnahme an Googles App-Universum. Sie sind die ersten Apps, die einem Android-Nutzer nach dem Start des Smartphones zur Verfügung stehen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie besonders gut an das System angepasst sind. Folgende Apps finden sich im Paket:

  • Google Suche
  • YouTube
  • Play Store
  • Google Drive
  • Gmail
  • Hangouts
  • Foto
  • Play Movies
  • Play Music

Für Nutzer ist das ziemlich praktisch. Sie haben direkt zum Start ein Paket an praktischen Tools zur Verfügung. Außerdem sind die Apps sicher. Schließlich kommen sie direkt von Google selbst. Dadurch, dass sie für alle Nutzer verfügbar sind, schaffen sie außerdem Kontinuität in der fragmentierten Android-Welt. Was könnte die EU an diesem praktischen Paket wohl stören?

Android mit Lizenz

Es ist richtig, dass Android für Nutzer und Hersteller kostenfrei ist. Das bedeutet allerdings noch nicht, dass man ein entsprechendes Smartphone auf die Beine stellen kann. Ist man nicht gerade daran interessiert, einen eigenen App-Store aufzubauen, dann muss man sich an Google wenden. Um die Mobile Services nutzen zu können, brauchen Hersteller nämlich eine Lizenz. Im Detail bedeutet das, dass die verkauften Geräte nach bestimmten Kriterien getestet werden. Das findet nicht bei Google statt. Stattdessen wenden sich Hersteller an externe Partner, welche die Teste durchführen können. Wie der Guardian im Jahr 2014 herausgefunden hat, kommen dabei hohe Kosten auf die Hersteller zu. 40.000 bis 75.000 US-Dollar sind keine Seltenheit. Der Witz: Ein bestandener Test heißt nicht, dass Google eine Lizenz erteilt.

Wenn Hersteller keine Lizenz haben

Dann ist es ganz einfach. Wer keine Lizenz hat, der darf die Dienste von Google nicht auf seinem Gerät installieren. Und ohne App Store ist ein Android-Smartphone nicht besonders interessant, oder? Wer sich nicht daran hält und den Play Store installiert, handelt prinzipiell illegal. Wie Tech Times herausgefunden hat, gibt es Hersteller am Markt die so handeln. Bisher hat Google in solchen Fällen »Ein Auge zugedrückt«. Nicht verboten ist es übrigens, die Dienste selber auf einem Gerät zu installieren. Man kann sein Fire Tablet also nach belieben mit Googles Play Store ausstatten. Man sieht aber, die Hersteller sind in der Zwickmühle. Entweder sie durchlaufen einen kostspieligen Prozess, an dessen Ende sie vielleicht Googles Mobile Services installieren dürfen oder sie bieten Smartphones an, die viele Kunden zurecht als unvollständig betrachten dürften.

Was könnte passieren?

Derzeit werden Experten im Fall befragt. Im ersten Schritt droht eine Strafe in Milliardenhöhe, sollte der Konzern seine Praktiken nicht ändern. Und wie könnte eine Änderungen aussehen? Google könnte seine Mobile Services rein optional machen und den Store für alle Hersteller verfügbar machen. Dann hätte der Nutzer die Wahl, welche Apps er verwenden möchte. Ganz ähnlich musste Microsoft vor einigen Jahren eine Browser-Auswahl in Windows integrieren.

Marvin Sommershof Marvin Sommershof Marvin ist Redakteur bei Digital gefesselt. Daneben studiert er Technikjournalismus. Er interessiert sich für Gadgets, Tools und Games. Er twittert als @Marv1992
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