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Googles Suchmaschine für China

vor 4 Monaten - 2 Minuten Lesezeit Hörzeit

Eigentlich hatte sich Google 2010 dazu entschieden, seine Suchmaschine in China nicht mehr anzubieten. Grund waren damals die ethischen Grundsätze des Unternehmens. Schließlich sieht die chinesische Regierung strikte Zensuren im Internet vor. Inzwischen hat sich Googles Einstellungen gegenüber Zensurmaßnahmen anscheinend geändert. Intern arbeitet das Unternehmen unter dem Projektnamen »Dragonfly« an einer neuen chinesischen Suchmaschine, die Vorgaben in Sachen Zensur berücksichtigen soll.

Zensur mit Anlauf

The Intercept berichtet zum Thema aus internen Dokumenten. Daraus geht hervor, dass Google bereits seit dem Frühjahr 2017 an einer zensierten, mobilen Suche für den chinesischen Markt arbeitet. Darin sollen beispielsweise Begriffe aus dem Bereich Menschenrechte blockiert werden. Anscheinend hat Google der chinesischen Regierung bereits eine Demonstration der App gegeben.

Auch intern geheim

Intern bei Google hat nur ein kleiner Kreis von Entwicklern Zugang zum Dragonfly-Projekt. Nur einige hundert Mitarbeiter sind für das Projekt autorisiert. Glücklich sind die Mitarbeiter übrigens nicht. Wie Buzzfeed berichtet, verlassen inzwischen Mitarbeiter den Konzern, da sie sich an der mangelnden Transparenz ihres Arbeitgebers stören. Diese Mitarbeiter hatten nicht von ihrem Arbeitgeber vom Dragonfly-Projekt erfahren. Stattdessen wurden sie, wie der Rest der Öffentlichkeit, erst durch den Artikel von The Intercept auf das Projekt aufmerksam gemacht. Googles CEO Sundar Pichai gab im letzten Monat zu verstehen, dass Google unterschiedliche Optionen für den chinesischen Markt untersucht und sich in Sachen Suchmaschine in einem explorativen Stadium befindet.

Grund für seine Aussage war ein Leak bei der New York Times. Ein internes Meeting wurde auf der Website der Zeitung in Echtzeit zur Verfügung gestellt. Offenbar auch als Protest gegen das Projekt. Viele befürchten, dass sich der Einstieg in den chinesischen Markt nicht nur auf Google oder die Tech-Branche auswirkt. Auch, wenn das Unternehmen mit der Entwicklung scheinbar gegen seine eigenen Grundsätze verstößt. Setzt allerdings ein Unternehmen dieser Größenordnung die strengen Zensuren um, öffnet dies neue Möglichkeiten für andere Unternehmen und normalisiert die Zensuren in China auch im Rest der Welt. Google ist allerdings nicht alleine. Zuletzt stand Apple in der Kritik, da das Unternehmen die chinesischen Zensuren umsetzte und Nutzerdaten chinesischer Nutzer zu chinesischen Anbietern transferierte.

Marvin Sommershof Marvin Sommershof Marvin ist Redakteur bei Digital gefesselt. Daneben studiert er Technikjournalismus. Er interessiert sich für Gadgets, Tools und Games. Er twittert als @Marv1992
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