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Ist Android Open-Source?

vor 4 Jahren - 4 Minuten Lesezeit Hörzeit

Schon seit einiger Zeit beschäftigt sich die EU mit der Frage, ob Google seine Marktstellung missbraucht. Und Gründe für diese Vermutung gibt es viele. So gut wie jedes Smartphone, welches nicht von Apple stammt, kommt heute mit Googles mobilem Betriebssystem Android. Die entsprechenden Dienste von Google sind ebenfalls mit an Bord. Doch wie sieht die Situation für die Hersteller aus? Und wie viel Mitbestimmungsrecht hat Google beim Einsatz seiner Dienste auf den Smartphones?

Googles Android-System ist generell unter der Apache Open-Source Lizenz freigegeben und kann beliebig angepasst und verwendet werden, schließlich basiert das System auf einm Linux-Kern. Die Situation für die Smartphone-Hersteller gestaltet sich dabei jedoch nicht so einfach wie gedacht. Aber eins nach dem Anderen.

Android ist Open-Source

Android kann und darf völlig frei an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Und im Gegensatz zu anders lautenden Gerüchten können diese auch kommerziell sein. Grundlage für diese Projekte ist das Android Open Source Project (AOSP). Dies ist prinzipiell nichts anderes, als der Quellcode von Googles mobilen Betriebssystem. Dieser enthält zusätzlich zu allen benötigten Dateien auch Zusatzprogramme wie den Browser und die Telefon-Software. Diese können genutzt werden, erforderlich (und sinnvoll) ist das jedoch nicht (immer). So gibt es auch IoT-Devices, die auf Android aufbauen. Hersteller können sich aus dem Quellcode (wie anderorts auch üblich) nicht nur bedienen, sondern sind auch in der Lage, ihre eigenen Anpassungen zurück zu übermitteln, sofern sie eine sinnvolle Verbesserung oder Erweiterung des aktuellen Funktionsumfangs darstellen.

Aber…

Doch nur, weil Android kostenlos ist bedeutet das noch nicht, dass das Projekt wirklich frei ist. So sind sogenannte Binary Blobs im Code enthalten. Ein sogenannter Binary Blob bezeichnet einen teil nicht quell offenen Code, welcher in einer offenen Software enthalten ist. Auch Linux enthält diese Bestandteile und wäre ohne sie nicht lauffähig.

Android als Basis

Das System lässt sich dabei auch als reine Basis für völlig neue Projekte verwenden. So entstand zum Beispiel Amazons Fire OS oder auch Ubuntu Touch für mobile Geräte, welches auf Android aufbaut, um die Lauffähigkeit auf mobilen Geräten zu erleichtern.
Bei der Erstellung eines neuen Systems ist jedoch zu beachten, dass der Zugriff auf den PlayStore nicht mehr vorinstalliert ist. Das sieht man zum Beispiel an Amazons Fire OS. Dem Nutzer steht es dabei jedoch frei, den Zugang zum PlayStore nachtäglich einzurichten, sofern der Hersteller des Systems es zulässt.

Android und die Hersteller

Smartphone-Hersteller hingegen setzten meistens auf die offizielle Android-Version von Google mit allen dazugehörigen Apps. Diese basieren auf dem offiziellen Code und werden nur geringfügig an die eigene Hardware angepasst. Und hier beginnt für viele das Problem. Um von Haus aus Zugriff auf den PlayStore und andere Dienste zu erhalten, muss die angepasste Android-Version eine Zertifiziert werden. Um dies zu erreichen, müssen Hersteller mindestens zwanzig Apps von Vorinstalliert finden sich auf solchen Geräten die unterschiedlichen Dienste von Google. Angefangen vom PlayStore über den Musik-Player bis hin zur Telefon-App. Und natürlich die kritische Google Suche.

Der Nutzer

Der Nutzer ist jedoch nicht verpflichtet, diese Lösungen auch zu nutzen. Schließlich gibt es massenhaft Alternativen für alle Dienste. Allerdings liegt hier die Zwickmühle. Wie viel Eigeninitiative kann man vom durchschnittlichen Nutzer erwarten? Bastler und Technik-Freaks können den Standpunkt der EU in diesem Fall nicht nachvollziehen, schließlich rooten sie das entsprechende Gerät einfach und installiere die Apps und Dienste ihrer Wahl. Der Normale Nutzer hingegen verlässt sich auf die installierten Programme und sucht nicht erst nach Alternativen. Das läuft ganz ähnlich wie beim Fall Windows, wo unbedarfte Nutzer auf den Internet Explorer (oder Edge) zurückgreifen, während etwas erfahrenere Nutzer sich einen alternativen Browser installieren. Die Lösung (welche inzwischen wieder verschwunden ist) war eine Browserwahl bei der Einrichtung des Systems. Dort konnte der Browser direkt beim ersten Start geändert werden. Die unterschiedlichen Alternativen wurden dabei übersichtlich angezeigt.

Was kann Google tun?

Bei Google könnte man einen ähnlichen Weg gehen. Die Suche, die derzeit bereits durch den Namen mit Google verknüpft ist, könnte zu einer universellen Suche werden, die dem Nutzer beim ersten App-Start die unterschiedlichen Alternativen anbietet. Wie weitreichend die Folgen dabei für Google wären, lässt sich nicht abschätzen und die Suche wäre nur die Spitzte des Eisbergs. Auch andere Dienste wären betroffen und die Forderung diese durch einen ähnlichen Mechanismus auszuhebeln könnte dazu führen, dass sich die Entwicklung von Android als System für Google nicht mehr lohnt (im schlimmsten, extremsten Fall, sollte sich der Großteil der Nutzer dazu entschließen, nicht mehr auf Googles Services zu setzen).

Änderungen im Anmarsch

Irgendetwas wird sich auf jeden Fall ändern müssen, die EU wird Google nicht einfach in Ruhe lassen und die Schadensersatzzahlungen und die damit einhergehende Presse sind auch für ein großes Unternehmen unangenehm. Dem Nutzer durch die Entkopplung der Apps generell mehr Wahlmöglichkeiten zu geben, ist nicht nur eine gute Idee sondern eine gute Möglichkeit dem Kunden die Möglichkeit zu geben, die Lösungen von Google mit den Produkten anderer Hersteller einfacher zu vergleichen.

Marvin Sommershof Marvin Sommershof Marvin ist Redakteur bei Digital gefesselt. Daneben studiert er Technikjournalismus. Er interessiert sich für Gadgets, Tools und Games. Er twittert als @Marv1992
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