Meinung

Unterschätzte Metadaten

Wertvoller Abfall

vor 12 Monaten - 2 Minuten Lesezeit Hörzeit

Apples iMessage ist, zumindest wenn man sich die Verschlüsselung anschaut, einer der sichersten Dienste auf dem Markt. Die Inhalte von Gesprächen sind Apple nicht bekannt und können nicht an Behörden weitergegeben werden. Doch die vermeintliche Sicherheit täuscht. Ähnlich wie bei WhatsApp werden neben den eigentlichen Inhalten die sogenannten Metadaten gespeichert. Diese sind nicht verschlüsselt und müssen bei Bedarf, zum Beispiel zur Aufklärung einer Straftat an die zuständigen Behörden weitergegeben werden. Das ist ein großes Risiko für die Privatsphäre der Nutzer. Doch die wenigstens wissen, was Metadaten sind oder warum sie sich als Instrument für die Überwachung von Nutzern eigenen.

Metadaten sind kein Abfall

In der öffentlichen Diskussion werden Metadaten gerne als der Datenrest dargestellt, der bei der Telekommunikation anfällt und mit dem sich nicht mehr viel anfangen lässt. Schließlich enthalten die Metadaten keine Informationen zum eigentlichen Gespräch, sie sagen noch viel mehr aus. Metadaten sind alle Daten die bei der Kommunikation anfallen:

Wer hat sich mit wem unterhalten und wann?

Egal ob SMS, Skype, WhatsApp oder beim normalen Telefonieren. Bei jeglicher Kommunikation wird festgehalten, wer sich mit wem unterhält. Diese Daten erlauben bereits einen Überblick über das soziale Umfeld des entsprechenden Nutzers. Auch die Zeit der Unterhaltung wird genau festgehalten und sofern die Kommunikation von einem Smartphone oder einem Computer mit Standortdaten stattfindet, lässt sich auch sehr genau sagen, wo sich die jeweiligen Nutzer während der Unterhaltung befunden haben.

Und was bringt das?

Durch die Daten lässt sich im ersten Schritt bereits feststellen, wo sich Nutzer über den Zeitraum der Speicherung hinweg aufgehalten haben. Zusammen mit anderen Datensätzen lassen sich dadurch (auch wenn die Metadaten anonymisiert worden sind) sehr genaue Personenprofile erstellen, die Rückschlüsse auf die Identität von Nutzern erlauben. Viele von diesen „Anderen Datensätzen stellen wir freiwillig zur Verfügung“. So lassen sich zum Beispiel öffentliche Posts aus Facebook und Twitter verwenden oder das Bild aus der neuen Instagram-Story. Das Personenprofil umfasst dann nicht mehr nur die „rohen“ Standortdaten, sondern viele kleine Details. Zum Beispiel den Wohnort und Arbeitsplatz oder das Restaurant in der Innenstadt, welches man wöchentlich besucht. Auch Hobbies oder sexuelle Orientierung lassen sich anhand von Veröffentlichungen und Likes einfach ermitteln.

Metadaten sind nicht harmlos

Man darf die Angst vor Metadaten gerne als übertrieben dargestellt bezeichnen. Und die wenigsten Nutzer werden auf ihre Messenger und sozialen Netzwerke verzichten. Trotzdem sollte man den Informationsgehalt von Metadaten nicht unterschätzen. Und gerade in der erneuten Diskussion um die erneute Einführung der Vorratsdatenspeicherung sollte man sich nicht damit beruhigen lassen, dass die angefallenen Daten harmlos sind oder dass diese anonymisiert werden sondern sich aktiv an der Diskussion beteiligen.

Marvin Sommershof Marvin Sommershof Marvin ist Redakteur bei Digital gefesselt. Daneben studiert er Technikjournalismus. Er interessiert sich für Gadgets, Tools und Games. Er twittert als @Marv1992
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