Special

Was ist Vectoring?

vor 2 Jahren - 4 Minuten Lesezeit Hörzeit

Im August legt die Telekom in Deutschland mit Super-Vectoring los. Wie das Unternehmen jetzt bekannt gab, sollen zum Start 6 Millionen Haushalte Zugriff auf die höheren Geschwindigkeiten bekommen, die mit Super-Vectoring möglich sind. Die maximalen 250 Mbit/s stehen dabei nur dort zur Verfügung, wo die Leitungslänge dies zulässt. Bei diesen hohen Datenraten und auch schon bei 100 Mbit/s Vectoring zuvor, fragen sich viele Internetnutzer zurecht, wie die Technologie deutlich höhere Datenraten über die normale Telefonleitung möglich macht. Um dies zu erklären, geben wir einen Überblick über die unterschiedlichen DSL-Technlogien.

DSL, VDSL, usw.

Im Jahr 2017 waren Statista zufolge 25 Millionen Internetnutzer in Deutschland durch DSL (Digital Subscriber Line) mit dem Internet verbunden. Bei vielen Kunden kommt derzeit noch die ADSL(Asymmetric Digital Subscriber Line)-Technologie zum Einsatz. Diese erlaubt die Übertragung von Daten über die normale Telefonleitung, ohne sich dabei auf die Telefonie auszuwirken. Unterschiedliche Frequenzbereiche sorgen dafür, dass sich Telefon und Internet nicht in die Quere kommen. Um beides zu nutzen, verbaut der Kunde einen Splitter vor seinem Router. Der große Nachteil von ADSL liegt in der geringen unterstützen Geschwindigkeit von 16 Mbit/s. ADSL 2+ erlaubte später Geschwindigkeiten von 25 Mbit/s. Um jedoch Vectoring und Super-Vectoring einsetzen zu können, reichen ADSL und ADSL 2+ nicht aus. Stattdessen ist ein Ausbau mit VDSL notwendig. In Deutschland kommt dessen zweite Iteration zum Einsatz.

Hierbei wären theoretisch 100 Mbit/s ohne jegliche Zusätze möglich. Allerdings ist das stark abhängig von der Länge des Kabels d. h. der Kunde muss nah am grauen Kasten wohnen, um höhere Datenraten zu ermöglichen.

Vermittlungsstelle, DSLAM

Vergrößern

1280px-Junction_boxes_Deutsche_Telekom
Ein DSLAM der Deutschen Telekom

Bild stammt von Websurfer83 und wurde unter GNU Free Documentation License veröffentlicht.

Diese grauen Kästen sind jedem schon mal aufgefallen. Für die Verwendung von Telefon und insbesondere Internet sind sie auf dem Land unerlässlich. In dem Multifunktionsgehäuse (auch DSLAM genannt) laufen die Leitungen der Kunden zusammen. Von dort sind sie durch ein Glasfaserkabel mit der Vermittlungsstelle verbunden, die häufig einige Ortschaften weiter entfernt steht. Und die Entfernung ist entscheidend. ADSL wäre in manchen Fällen ohne den grauen Kasten möglich. VDSL und das zugehörige Vectoring sind ohne die »Outdoor-DSLAM-Technologie« jedoch unmöglich.

Vectoring gegen Störungen

Wie bereits erwähnt, kämpft man bei höheren Geschwindigkeiten immer gegen die Dämpfung der Leitung. Die ist einerseits bedingt durch das Material (Kupfer), dessen Länge und die anderen Leitungen. Denn kein Kunde hängt ganz alleine an einem Kabel. Stattdessen sind die Leitungen als Bündel geordnet. Trotz Isolierung kommt es zwischen den unterschiedlichen Kabeln zum Übersprechen. Vectoring rechnet diese Störungen heraus und erlaubt durch die Reduzierung der Störung höhere Datenübertragungsraten. Durch den Einsatz von Vectoring sind Datenraten von bis zu 100 Mbit/s möglich. Super-Vectoring optimiert hier noch weiter und erlaubt bis zu 250 Mbit/s. Die Leitungslänge ist jedoch auch hier entscheidend. Die beiden Technologien werden von Experten jedoch nur wenig euphorisch aufgenommen.

Störendes Vectoring

Der wichtigste Grund dafür, dass Vectoring als störend empfunden wird, ist die Telekom. Wo die Technik zum Einsatz kommt, ist der Ausbau für andere Anbieter nicht mehr möglich. Für 1&1, O2 und Co. bedeutet das, dass ein Zugang bei der Telekom gemietet werden muss. Außerdem hat die Kupferleitung keine Zukunft. Für den Wunsch nach einem Gigabit-Netz ist die Technik absolut ungeeignet. FTTH (Fiber to the home), also Glasfaser bis ins Haus wäre hier die Lösung. Allerdings kämen hierbei hohe Kosten auf Anbieter und Kunden zu. Denn anders als beispielsweise in Spanien muss in Deutschland Tiefbau betrieben werden, um die Kabel zu den Kunden zu bringen. Für den Kunden ist Vectoring vor allem deswegen interessant, da keine hohen Kosten für den Ausbau gezahlt werden müssen. Außerdem ist der Anschluss bei bereits bestehenden VDSL-Anschlüssel schnell geschaltet. Ein Aufreißen der Straße ist nicht mehr nötig. Überdies brauchen viele Kunden extrem hohe Geschwindigkeiten derzeit noch nicht.

Allerdings sollten sich die Anbieter mit Technologien beschäftigen, die einen einfachen weiteren Ausbau ermöglichen. Die Kupferleitung sollte in Zukunft möglichst nicht weiter ausgequetscht werden.

Marvin Sommershof Marvin Sommershof Marvin ist Redakteur bei Digital gefesselt. Daneben studiert er Technikjournalismus. Er interessiert sich für Gadgets, Tools und Games. Er twittert als @Marv1992
Auch spannend:

Die wichtigsten Web-, App- und Digital-Trends
für deine Kaffeepause.

Manuell zusammengefasst und kommentiert, jeden Morgen um 10 Uhr.

Mit der Anmeldung akzeptieren Sie die Datenschutzbestimmungen und abonnieren den Newsletter von Digital gefesselt. Die Abmeldung vom Newsletter ist jederzeit möglich.

Wie oft?